Nachstehend bieten wir Ihnen lesenswerte Informationen aus unserem Gemeindeleben als pdf-Datei zum download.

„Glauben Sie?“

Ich weiß nicht, ob Ihnen diese Frage manchmal gestellt wird. Mir schon – und ich bin mir sicher, alle Menschen glauben alles Mögliche. Hinter der Frage „ Glauben Sie?“ steht natürlich die Frage „ Glauben Sie an Gott, an Jesus Christus und die christliche Tradition?“

„Glauben Sie das alles?“ wird manchmal noch hinzugefügt. Für mich als Theologin ist das „Ja“ einfach. Es gibt wahrscheinlich nichts in meinem Leben, mit dem ich mich intensiver beschäftigt habe durch Zweifel und Fragen hindurch. Aber ich würde auch von mir nicht zu behaupten wagen, dass ich den Glauben ein für alle Mal habe und unerschütterlich durchhalte. Ich weiß, dass sich viele Menschen schwer tun mit der Frage nach ihrem Glauben. Ereignisse in ihrem Leben haben sie an dem, was sie glaubten, irre werden lassen und verzweifeln.

Deshalb finde ich die Jahreslosung für das neue Jahr richtig gut.

Es ist ein Satz, der auf den ersten Blickvöllig widersprüchlich klingt: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“ (Markus 9,24) Man fragt sich: Ja, was denn nun? Glauben oder Unglauben? Geht das denn gleichzeitig?

Wenn man statt „Glauben“ das Wort „Vertrauen“ einsetzt, klingt es schon anders. Dann erscheint hier das ganz normale Chaos der Gefühle. Und Glauben meint ja Vertrauen. „Ich vertraue, hilf meinem Misstrauen.” So ist der Satz schon weniger widersprüchlich. Es wäre auch möglich, das Wort „Liebe“ einzusetzen: „Ich liebe, hilf meiner Lieblosigkeit.” Oder Hoffnung: “Ich hoffe, hilf meiner Hoffnungslosigkeit.“ Es geht um Gefühle und Haltungen, die schwanken, wie Gefühle und Haltungen eben schwanken.

Dieser Satz ist Ausdruck einer Lebenshaltung „Du, Gott, kennst meine Schwäche, hilf mir! “„Ich glaube, hilf meinem Unglauben!” Zu dir kann ich kommen, selbst wenn ich im Augenblick nicht glauben kann.

Wir als Gemeinde laden alle ein „Gebt Gott eine Chance! Kommt mit euren Zweifeln, mit eurer Lieblosigkeit, mit eurem schwachen Vertrauen.“ Gemeinsam sind wir auf dem Weg durch die Zeit mit all` unserem Glauben und allem Unglauben.

Wir freuen uns auf Sie

Ihre Pfarrerin

Ute Bock